Zu Anfang gleich ein kleines Ratespiel: künstlich wirkender Humor, die Geilheit auf Präsenz und eine aufgezwungene spaßige Atmosphäre, die selbst ein Gemeinschaftsfest in Abu-Ghraib nicht überbieten hätte können. Wo befinden wir uns? Richtig, wir sind in Österreich, genauer gesagt in Kärtnen, noch genauer: in Villach – Lei Lei!
Alleine die Begrüßung lässt einem an den Kopf greifen und rasch nach sinnvollen Erklärungen suchen. Lei Lei – wie Leider, leider, wertes Publikum, leider können wir aufgrund eines Übertragunfsfehlers heute den Witz des Villacher Faschings nicht übertragen. Lei Lei wie Leise Leise wollen wir sein, um die Erlösenden unter uns nicht aufzuwecken. Lei Lei – wie Leider Leider nein!
Nein, jetzt einmal ehrlich: Was veranlasst ÖsterreicherInnen, jährlich eine Sendung mit Rekordquoten – im letzen Jahr zählte sie zu den Top Ten, im Jahr 2000 war sie sogar die Number One - zu belohnen, deren Witzgehalt einer Grabrede gleicht? Quoten, die nur zur Weiterproduktion des ”narrisch guaten” Sendeformat führen. Und zur Frage: Sind ÖsterreicherInnen MasochistInnen? Na klar, es gibt sie, diese heiteren Momente, in denen man sich selbst bei einem kurzen Schmunzeln ertappt. Ungefähr vergleichbar mit der Häufigkeit der Talente in Star Mania (aber das ist eine andere Sache).
Aber zeigen Sie mir den Menschen, der sich Sonntagabende um Viertel nach Acht vor den Fernseher setzt und in inbrünstiges Dauerlachen verfällt. Prinz Fidelius LII und Prinz Gaudelius LXI, die Kärntner Oberspaßmacher in diesem Jahr, mit inbegriffen.
Ich persönlich empfinde es ja jährlich als Hochgenuß in die Gesichter jener Menschen zu blicken, die sich mit einem verkrampften Lächeln dem Gruppenzwang beugen; wohlwissend, dass nicht die Faschingsnarren sondern sie selbst die Brüller der Nation sind. Ja, ich spreche vom Publikum, dass sogar Geld für den Narrenaufmarsch gezahlt hat. Ein wirklich erhabenes Gefühl, nicht zu jenem elitären Kreis der Spaßvögel zu gehören. Jedoch auch ein Selbstgeständnis, ebenfalls zu jenen Millionen zu gehören, die an Sonntagabenden nichts Besseres zu tun haben, als sich eine Sendung anzusehen, die den öffentlichen Bildungsauftrag noch nicht einmal vom Namen her kennen.
Der Fasching im Allgemeinen hat so etwas Komisches an sich (ganz Villach würde jetzt vor lauter Lachen brüllen). Eine Zeit lang herrscht das Bestreben, ganz Österreich in ein Land der LacherInnen zu verwandeln und wehe dem/der, der/die es wagt, ernst zu schauen. Es finden Paraden von Ort zu Ort statt, in denen jeweils das Oberhaupt der Faschingsgilde totale Bewunderung findet. Und er/sie hört dann auf, wenn die sich die Kirche wieder zu Wort meldet. Der Vergleich mit einer ähnlich klingenden totalitären Regierungsform steht Ihnen, werteR LeserIn, offen.
Hiermit rufe ich Sie auf, den Fasching zu boykottieren. Mit gekonnten Aktionismus. Gehen Sie auf einen allzu witzigen Faschingsgnaschs und halten sie dort einen wirklich rührenden Vortrag über die Tristigkeit des Seins. Oder bestellen Sie sich ganz bewusst einmal eine Sacher Torte an Stelle vom obligatorischen Faschingskrapfen. Und für PerfektionistInnen: seien sie das restliche Jahr ausgesprochen fröhlich und guten Mutes. Der Hinweis auf den bereits vergangenen Fasching sollten Sie als positives Feedback betrachten. Sie werden es nicht bereuen, denn schon bald werden Sie merken, aus welchem System sie ausgebrochen sind.